Ich saß alleine am Fenster in dem Zug, der noch im Hauptbahnhof stand,
nur noch ein paar Momente, bis er losfahren würde, hab ich mich im Sitz
zurückgelehnt und meine Musik angemacht, so laut, dass ich nichts
anderes mehr hören und ich darin einsinken kann. Am Bahnsteig saß ein
Paar, nebeneinander auf der Bank, beide haben geraucht, der Mann mit
Koffer, die Frau ohne, dann sind sie aufgestanden und haben sich
verabschiedet, geküsst, umarmt, nochmal umarmt, er läuft zur Tür, dreht
sich nochmal um, wieder geküsst und wieder umarmt, rein in den Zug, von
der Fensterscheibe winkend, klopfend, der Zug ist losgefahren, die Frau
ist hinterher gerannt und er hat gewunken und dann musste sie stehen
bleiben, weil es zu schnell ging, und sie hat das Gesicht hinter den
Händen versteckt und dann war sie verschwunden und er saß ein paar Sitze
vor mir, die Fingerspitzen an der Fensterscheibe, weinend. Genau in dem
Moment wurde das Lied in meinen Ohren kräftiger und die Stimme sang “I miss your face like hell”
und ich hatte das Gefühl als einziger Mensch vollkommen allein zu sein,
und ich wusste nicht was ich davon halten sollte, es war traurig, aber
andererseits, ich wollte nicht die Person sein, die diese Tränen weinte.
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